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Ich bin in der Hotel-Lobby von einem Argentinier gefragt worden, ob ich noch Karten für das Finale hätte. Ne, habe ich nicht. Das Halbfinale in Sao Paulo war meine abschließende WM-Reise. Auf dem Weg zurück ins Basis-Quartier nach Rio wurde zum letzten Mal der grüne Fußball-Teppich für mich ausgerollt. Mein ständiger Begleiter auf den letzten Metern ins Flugzeug. Okay, den anderen Fluggästen ging`s genauso…

 

Und einer von ihnen war der ehemalige Fußball-Star Cafu – Brasiliens Weltmeister-Kapitän von 2002. Er nahm drei Reihen vor mir in dem A319 Platz. Eine in die Jahre gekommene Maschine der Fluggesellschaft TAM mit insgesamt 144 Plätzen. Ohne Business-Class. Ohne Schnickschnack. Einfach nur ein Flugzeug.

Cafu verstaute sein Gepäck in der Ablage, hockte sich auf seinen Gangplatz 10D und zog alleine damit die Blicke der anderen Reisenden auf sich. Einer nach dem anderen kam, um mit ihm ein Handy-Foto zu machen. Das “Selfie“ ist das neue Autogramm. Und Cafu schien darin geübt. Ein Lächeln. Ein zweites Lächeln. Ein drittes Lächeln. Ein viertes Lächeln usw. Bis die Stewardess direkt neben ihm die Sicherheitshinweise vorführte und die Maschine kurz danach startete.

Cafu stand insgesamt in drei WM-Endspielen und gewann 2002 das Finale gegen Deutschland. Im deutschen Tor stand damals Oliver Kahn. Der “Titan“ wohnt bei dieser WM in einem Nobel-Hotel an der Copacabana. Ich ertappte mich über den Wolken dabei, wie ich mir Kahn in diesem Flieger vorstellte. Drei Reihen vor mir. In einem ganz normalen Flugzeug. In der Economy-Class. Unvorstellbar. Der “Titan“ lebt in einer Parallelwelt. Cafu dagegen ist geerdet.

 

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